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Wie man einen Blusenärmel richtig einnäht – Blusensewalong 2017

Liebe Leser,

vor kurzem hat Nähbloggerin Elke von Elle Puls zum Blusensewalong 2017 aufgerufen und ich – neben vielen anderen  – habe mich entschieden mitzumachen. Aus 2. Gründen: 1. hatte ich Lust auch mal wieder an Bluse zu nähen, dann noch mit anderen zusammen oder sollte man eher sagen zeitlgleich. Wir sind ja quasi über den ganzen deutschen Sprachraum verteilt und zeigen uns gegenseitig zu festgelegten Terminen unsere Fortschritte (Instagram, Facebook,…), geben uns Tipps und präsentieren am Ende (am 9. Februar) die fertige Bluse. Besprochen werden natürlich auch die unterschiedlichen Schnittmuster, welche Probleme traten auf, für welchen Stoff hat man sich entschieden. Alles in allem, eine wirklich interessante Sache, bei der sich auch mein heutiges Thema ergab: Wie nähe ich einen Blusenärmel richtig ins Armloch?

Welches Modell?

Die Wahl (frei wählbar) fiel auf das  Schnittmuster „Helmi“ der  finnischen Modellschmiede   n a m e d.  Uuuund spannend für mich, endlich mal wieder ein ganz anderes Schnittmuster als die eigenen nähen und so einfach (Alle die schon mal ein Schnittmuster entwickelt haben, wissen jetzt, was ich meine 🙂 ): kaufen (€ 13,– für ein Downloadschnittmuster mein lieber Himmel die Finnen haben eine selbstbewußte Preisgestaltung – ok -es bietet 2 Versionen), ausdrucken, kleben und loslegen.

Nähbeispiel von Tweed & Greet von der Helmi-Tunic-Blouse. Sehr schön umgesetzt – da muss ich mich anstrengen.

Das Material:

Diese beiden Stoffe hatte ich ins Auge gefasst. Entschieden habe ich mich nach einigem Ringen, welche Farbe mich weniger blass macht (sollte jemand gerade Sommer haben, bei uns ist Winter – das bedeutet wenig Sonne, ach was, so gut wie gar keine Sonne) für

den dunkelblau-grünlich schimmernden (sieht man hier leider nicht aber gleich) Fischgrat. 100 % mercerisierte italienische Baumwolle aus meiner Vergangenheit – als B l u s e n d e s i g n e r i n. Jaaaa, jetzt ist es raus. Ich habe lange Jahre in Hamburg und danach in München als Blusendesignerin gearbeitet.  Als es noch  deutsche Firmen gab, die nur Blusen verkauften und viele Frauen, die sie auch trugen. Aber das ist eine andere (spannende) Geschichte. Der Stoff ist eigentlich ein klassischer Herrenhemdenstoff und in seiner Strenge passend zu dem reduzierten Schnittmuster, wie ich finde. Na, wir werden ja sehen. (Jetzt hängt die Latte automatisch höher, ohje —haha).

Nähen

Beim 1. Termin hatte ich den Grundbody am Abend vorher genäht (auf den letzten Drücker 😎 ). Die Nähanleitung – übrigens in Englisch – ist sehr übersichtlich aufgebaut. Trotzdem hat mir so das eine oder andere Detail kopfzerbrechen bereitet. Z. B. habe ich schlichtweg nicht verstanden, wie ich die verdecke Leiste nach Anleitung falten soll. Ich habe es dann so gemacht, wie ich es kenne und basta. Mit dem Rest kam ich bis jetzt ohne Anleitung klar.

Blusenärmel richtig einsetzen

Nun komme ich zum eigentlichen Hauptthema meines Beitrages, der sich sozusagen „nebenbei“ ergab. Wenn man eine Bluse näht,  wird man bei den meisten Modellen verwundert  (zumindest der Nähanfänger) feststellen, dass der Ärmelumfang der Armkugel ja viel weiter ist, als das Armloch selbst. Beim Einnähen des Ärmel weiß man nicht wohin mit dieser sogenannten Mehrweite. Man dehnt und zerrt oder näht gar den Ärmel enger – aber ganz entspannt. Es ist richtig so, es muss so sein, weil das zusammen mit dem richtigen Bügeln ein sehr schön eingesetzten Ärmel ergibt. Bei Blazern ist das übrigens noch ausgeprägter. Kann man mal drauf achten.

Doch wie setzt man den Ärmel mit mehreren Zentimetern Mehrweite jetzt ohne Fältchen in ein kleineres Armloch? Ich möchte hier zeigen, wie ich es mache und wie es auch im Originalebook von  n a m e d (allerdings deutlich verkürzt) vorgeschlagen wurde.

  1. Steppstichlänge auf 4-5 einstellen. Eine Hilfsnaht von Querzeichen zu Querzeichen an der Armkugel steppen und zwar in der Nahtzugabe knapp neben der zukünftigen Schließnaht.
  2. Die Armkugel leicht einkräuseln (ein Fadenende wird festgehalten, am anderen wird vorsichtig gezogen. Die entstehenden Fälten gleichmässig mit den Fingern verteilen)
    Aermel richtig einsetzen - Mehrweite einkraeuseln
    Aermel richtig einsetzen – Mehrweite einkraeuseln


  3. Seitennaht schließen und Nahtzugabe flach auseinanderbügeln (bei Blusen aus feinen Baumwollstoffen werden die Nahtzugaben einzeln versäubert und auseinandergebügelt um sich beim Bügeln sowenig wie möglich durchzudrücken.)
  4. Bluse linke Seite nach außen wenden, beim Ärmel ebenfalls und den Ärmel in das Armloch stecken. Wichtig: der Bereich außerhalb der Hilfsnaht – also bis zu den Quermarkierungen – enthält nie Mehrweite und muss ganz flach im Armloch liegen. Die Mehrweite verteilt sich im oberen Bereich der Armkugel und kann jetzt genau ans Armloch angepasst werden. Der Ärmel ist noch zu weit: Hilfsfaden enger ziehen und Fältchen verteilen oder bedarfsweise umgekehrt.
  5. Genäht wird nun von der Ärmelseite. Stichlänge ca. 3 oder kleiner beim Kreuzungspunkt der Ärmelseitennaht beginnend steppen. Der Stepp (rot) verläuft ca. 2 mm neben der Hilfsnaht im Teil (nicht in der Nahtzugabe!) Ich arbeite mich langsam Stich für Stich vor und richte dabei immer mit dem Fingern die obere und die untere Stofflage, damit keine Fälten genäht werden. Die Stecknadel ziehe ich jeweils kurz vor dem Drübernähen aus dem Stoff.
  6. Bluse nach rechts wenden und die Naht von außen kontrollieren (Besonders gut geht es auf der Schneiderpuppe). Meistens hat man doch das eine oder andere Fältchen oder auch einen Bogen genäht. Kein Problem! Einfach an den jeweiligen Stellen ein paar Stiche öffnen und nochmal – und diesmal von der Blusenseite (vorher war es die Ärmelseite, weißt Du noch?) –  nachsteppen.
  7. Nun folgt das sogenannte Einbügeln der Fältchen mit Dampf. Lege den Ärmel so aufs Bügelbrett, dass du die Fältchen siehst und bügle nur mit der Bügeleisenspitze Stück für Stück (wichtig: mässig Dampf!) die Fältchen in der Nahtzugabe flach.
  8. Schneide die Nahtzugabe auf 0,8 mm zurück und versäubere (Ausnahme! 🙂 ) die Nahtzugaben zusammen.
  9. Ein letztes Mal von rechts bügeln, die Nahtzugabe weist in den Ärmel. Und jetzt darfst du dich über einen schön eingesetzten Ärmel freuen  😀

Ganz schön viele Details für eine einzige Naht – aber die Ärmelnaht ist eben auch eine besondere Naht.

Alles klar? Wenn nicht, schreib mir gerne – auch wenn Du noch andere Tipps und Tricks zum Thema kennst. Wie immer ist das nur eine Möglichkeit beim Nähen zu einem guten Ergebnis zu kommen. Und nächste Woche gibts dann die Auflösung (hoffentlich)  – die fertige Bluse und nicht nur die, sondern ganz viele andere schöne und individuelle Modelle gesammelt zu sehen bei Elle Puls.

Nähen verbindet, stimmt´s?

Herzliche Grüße

 

 

 

 

 

 

16 Gedanken zu „Wie man einen Blusenärmel richtig einnäht – Blusensewalong 2017

  1. Vielen Dank für diese tolle Anleitung zum Ärmeleinsetzen, sie hat mir sehr bei meiner Bluse geholfen! Vor allem die Hinweise zum Bügeln waren sehr hilfreich für mich. Eine Frage habe ich noch an Dich als Profi: wenn Du die Ärmeleinsatznaht auch französisch machst, würdest Du dann auch zuerst die Seitennaht schliessen? Oder wäre es dann nicht einfacher, erst den Ärmel mit den französischen Nähten einzusetzen und erst dann die Seitennähte der Bluse zu schliessen?
    Auf Deine Bluse freue ich mich schon sehr, der Stoff ist toll!
    LG Barbara

    1. Liebe Barbara,
      ich habe hin- und herüberlegt, kann dir aber keine allgemeingültige Antwort zu deiner Frage anbieten. ICH würde grundsätzlich – ausser bei ganz dünnem Material, das durchscheint oder sehr franst (Seide, Chiffon, Batist) – keine französische Ärmelnaht machen – wenn es aber sein muss – dann würde ich wohl zuerst die Armlochnaht arbeiten und zum Schluss alle Seitennähte schließen. Ich freue mich auch schon auf die fertige Bluse, aber derzeit bin ich noch am Zweifeln, ob ich es bis morgen schaffe. Naja, falls nicht, dann eben nächste Woche auf alle Fälle :-). GLG und danke für dein Lob.

  2. Tolle Anleitung mit guten Bildern, danke! 🙂

    Ich nähe beim Ärmel einsetzen immer erst mal halbwegs rabiat und ohne Rücksicht auf Fältchen drauf los. Also ich versuche schon, sie zu vermeiden, aber mir fällt es leichter, die Naht danach etappenweise noch mal aufzutrennen und nachzuarbeiten. Ist vielleicht nicht ganz die feine Art, hat sich aber bei mir bewährt. 😀

    Ich mochte zwar auch den grauen Stoff, aber das Dreiecksmuster ist so schön und einzigartig!

    LG aus Hamburg!
    Nora

    1. Hallo Nora,
      schön von dir zu lesen – ich kenne dich von Insta. Mir gefällt der Ausdruck „rabiat“ sehr gut und wenn das deine Art ist, mit der du gut klarkommst, finde ich das völlig in Ordnung :-). Wie gesagt, es gibt mehrere Wege zum Ziel und was für den einen gut ist, muss es für den anderen nicht sein. Der graue hat mich so blass gemacht, wie gesagt..ich dachte er ist als Rock besser..lieber weg vom Gesicht. Hehe. LG

  3. Super-Tutorial! Deine Bügelschritte sind für mich neu und machen garantiert den Unterschied- ein nicht perfekt sitzender Ärmel ist bei manchen Stoffen richtig auffällig und wirklich das Grauen;-). vielen Dank, jetzt sollte das eigentlich nicht mehr passieren GlG Miriam

    1. Hallo Miriam, ich freue mich sehr über dein Lob. Mit dem Bügeln hast du recht. Überhaupt wundere ich mich, dass der Begriff „einbügeln“ so wenig verbreitet ist. Das ist mir schon öfter aufgefallen. Ich werde dran arbeiten, dass diese hilfreiche Technik nicht untergeht. LG

  4. Hallo Ingrid,
    der Stoff, den du da ausgewählt hast schaut wirklich sehr spannend aus und ich bin schon auf dein Gesamtbild gespannt. Vielen lieben Dank für deine detaillierte Erklärung. Vor Kurzem hatte ich die Herausforderung den Ärmel (ohne jegliche weitere Erklärung) genauso einzunähen, habe es zum Glück intuitiv auch so gemacht. Nur hier bei dir ist mir aufgefallen, dass du zuerst den Ärmel geschlossen und dann eingenäht hast. Das werde ich das nächste Mal auch probieren, weil ich denke, dass es so noch einmal eine Spur leichter ist, den Ärmel optimal an die Armöffnung anzupassen. Danke dir für die Inspiration. LG, Esther

    1. Liebe Esther,
      ja das ist völlig richtig, sowohl der Ärmel, wie auch die Seitennaht werden zuerst geschlossen – und zwar um einmal den Sitz des Blusenbodys am Körper beurteilen zu können und zum zweiten den optimalen Sitz der Ärmel. Sind die Ärmel offen, hängen sie ja unmotiviert herum und dann geht das eigentlich nicht. Die offenen Seitennähte kenne ich eher vom Shirtnähen bzw. Raglan. Ich freue mich, wenn ich dir helfen konnte. LG

  5. ooch, ich staune und bin begeistert!
    Ein sehr schöner Stoff.
    Mal sehen ob ich doch noch schöne Ärmel nähen werde…
    Du hast mir Mut gemacht mit deiner tollen Anleitung.
    Falls es mir nicht gelingt… suche ich immer noch einen Blusenschnitt mit Raglanärmeln.
    Geht das mit Webware überhaupt!?

    Grüße
    vom Waldschrat

    1. Liebe N (alias Waldschrat),
      das freut mich natürlich sehr und mit etwas Übung und Geduld (ist beim 1. Mal ja immer gut :-)), schaffst du es sicher, schöne Ärmel zu nähen.
      Zu deiner Frage: Blusenschnitt mit Raglan und aus Webware ist auf alle Fälle möglich – aber selten. Wenn ich mir erlauben darf, mein Blusenshirt „Meli“ ist auch in Webware möglich, aber es ist eben keine richtige Bluse mit Kragen und Knopfleiste, wie du sie dir wahrscheinlich vorstellst. LG

  6. Supergenau erklärt! So habe ich das bisher auch gemacht, nur hbe ich die Armnaht manchmal erst hinterher geschlossen. Bei der Chyenne Tunic, die ich im Rahmen des BlusenSA nähe, wird mit französischen Nähten gearbeitet. Mit Flanell genäht fand ich das fast grenzwertig.
    Warum schließt du die Armnaht zuerst?
    GlG Uli

    1. Liebe Uli,
      eine französische Naht im Armloch ist sicher anspruchsvoll und mit Flanell sowieso – müßte man materialabhängig entscheiden, ob man das genauso macht. Aber ansonsten sind französische Nähte bei Blusen etwas sehr Schönes. Die Ärmelnaht schließe ich zuerst (ebenso wie die Seitennaht) um den Ärmelsitz an der Puppe oder am Körper optimal beurteilen zu können. Diese Technik kommt aus der klassischen Maßschneiderei und ich habe es so gelernt und auch für gut befunden. Natürlich muss man das nicht zwingend so machen. Es gibt ja immer unterschiedliche Wege zum Ziel zu kommen. In der industriellen Fertigung schließen sie die Ärmel- und Seitennaht am Schluss – aber da werden ja auch tausende Stück genäht – das ist längst ausprobiert und sollte im Idealfall (je nach Anspruch der Marke) auch passen. LG

  7. Liebe Ingrid,
    herzlichen Dank für dein Tutorial.
    Ja, ja, das Bügeln! Ein Schritt den ich zu gerne überspringe.
    Dann mal auf an die Ärmelnaht.

    Ich wünsche dir einen entspannen Sonntag.
    Sonnige Grüße
    Bine

    1. Liebe Bine,
      nachdem die Fotos dann wieder da waren, konnte ich mich auch gut entspannen – das mit dem Umlaut merke ich mir aber jetzt mal endlich ;-). So nett von Dir, dass Du mir extra geschrieben hast. Wie sind den die Ärmel geworden? Ach ja, das leidige Bügeln – meine Lehrerin sagte immer: „Bügeln ist das A und O“ – auf jeden Fall sieht man es den Stücken an, ob und wie oft zwischengebügelt wurde. Im Laden hängen oft Teile – da glaube ich sind die Bügeleisen ausgefallen oder eingespart, hahaha. LG

  8. Vielen Dank für die ausführliche Anleitung zum Einnähen der Ärmel. Für mich als Blusennähneuling ist das sehr hilfreich.

    Ich bin schon auf deine fertige Bluse gespannt.

    1. Ich danke dir ganz herzlich für deinen Kommentar und freue mich, wenn ich dir helfen konnte. Elle puls hat übrigens auch gestern eine sehr schöne Anleitung zum Ärmelschlitz online gestellt. Schau sie dir gerne an. LG

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