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Mein Weihnachtsoutfit – wie vernähe ich Stretchsamt?

Liebe LeserIn,

am vergangenen Samstag hatte ich die fantastische Gelegenheit, die Fotos von meinem diesjährigen Weihnachtsoutfit in dem professionellen Fotostudio von Michael Ruder lichtpunkt.cc zu machen. Zusammen mit den umtriebigen Frauen der @sew7 Nähtruppe (Du findest uns auf Instagram 😉 ) machte das nicht nur Riesenspaß, sondern wir dürfen uns auch nachhaltig über besonders schön belichtetete Aufnahmen freuen, die ich hier sehr gerne zeige.

Inspiriert von Claudia aka @ganzmeinding entschied ich mich für Samt und zwar Stretchsamt oder auch Samtvelours genannt. Claudia zeigte vor kurzem ein Shirt in puderrose. Mir gefiel diese lebendige Oberfläche vom Samt und nicht nur das – er ist auch streichelweich, wie sich herausstellte. Weil der Stoff ins sich schon so auffällig ist, reicht ein simples Schnittmuster und man hat ein Hingucker-Oberteil. 

Verarbeitung von Samt – worauf achten?

Der Zuschnitt: Samt hat eine „Richtung“, das bemerkt man wenn man darüberstreicht. Man muss sich also entscheiden, sollen die feinen Fasern nach unten oder oben zeigen beim fertigen Kleidungsstück. Beachtet man das nicht, sieht es später so aus, als ob die Farben nicht stimmen. Obwohl ich das wußte, habe ich dann prompt das Vorderteil falsch zugeschnitten und mußte es deswegen noch ein 2. Mal zuschneiden.

Der rutschige Samt erfordert außerdem eine scharfe Schere und möglichst einlagigen Zuschnitt. Das wird präsiser.
Nähen von Stretchsamt: Stichlänge 3+ ist gut, ordentlich vorstecken auch (ich gestehe, ich bin da manchmal nachlässig), weil die beiden Samtlagen aufeinander „krabbeln“ und sich verschieben.  Genäht habe ich zu 90 % mit der Overlock. Samt franst jedoch nicht aus, also könnte man auch ohne weiteres  mit der normalen Nähmaschine nähen ohne Versäubern. Die Bündchen: Idealerweise hatte die Meterware besondere Webkanten, die ich praktischerweise für das Hals- bzw. Ärmelbündchen einsetzen konnte. Ich habe dazu die hintere Raglannaht oben am Hals und die Ärmelnaht unten ein Stück weit offen gelassen und das Bündchen (die Webkante einfach – nicht doppellagig) nur leicht gedehnt (es sollte locker sitzen – kein Knackwurstbündchen bitte) angenäht. Dann wurden die Nähte geschlossen und der Faden mit der Hand vernäht. Der Hüftbund wiederum ist aus dem Samtvelours und zwar doppellagig. Diesen könnte man genausogut weglassen, Geschmackssache. Kombiniert mit z. B. dieser abnehmbaren Pelzstola (Fakefur) und etwas Schmuck wird aus einem simplen Pulli ein WOW-Teil für Dein Weihnachtsoutfit.

Die Pelzstola gibts als Goodie bis zum Jahresende zusätzlich zum Schnittmuster Blusenshirt Meli dazu.

Mit diesem „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ verabschiede ich mich für dieses Jahr von Euch. Danke fürs Lesen und Kommentieren. Es war und ist mir eine Freude. Alles Gute für die kommende Zeit und natürlich geruhsame und festliche Weihnachten wünscht Euch

Ingrid B.

Genäht habe ich das wandelbare Blusenshirt Meli  mit 3/4-Arm in Gr. 38 (normalerweise 40 – aber der Stoff ist gut elastisch) und die abnehmbare Pelzstola – derzeit als Kombipaket zum Vorteilspreis 😀

Der Samt Velours wurde bei Pepelinchen gekauft. Er ist übrigens aus 100 % Polyester, was mit anfangs stutzen ließ – da ich ausgewiesenermaßen keine Freundin von allzuviel Kunstfasern bin. Nach dem Tragetest kann ich ihn jedoch ruhigen Gewissens empfehlen. Das Material trägt sich sehr gut und angenehm. Die erwarteten Nebenwirkungen (Hitzewallungen bzw. -stau usw. blieben völlig aus). Es gibt ihn auch aus Seide – traumhaft und sündhaft teuer – so um die € 58,– der Meter.

Der Rock ist privat – ein vor Jahren gekauftes Lieblingsteil aus Ausbrennersamt.

Verlinkt bei:

Rums

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Wie man einen Blusenärmel richtig einnäht – Blusensewalong 2017

Liebe Leser,

vor kurzem hat Nähbloggerin Elke von Elle Puls zum Blusensewalong 2017 aufgerufen und ich – neben vielen anderen  – habe mich entschieden mitzumachen. Aus 2. Gründen: 1. hatte ich Lust auch mal wieder an Bluse zu nähen, dann noch mit anderen zusammen oder sollte man eher sagen zeitlgleich. Wir sind ja quasi über den ganzen deutschen Sprachraum verteilt und zeigen uns gegenseitig zu festgelegten Terminen unsere Fortschritte (Instagram, Facebook,…), geben uns Tipps und präsentieren am Ende (am 9. Februar) die fertige Bluse. Besprochen werden natürlich auch die unterschiedlichen Schnittmuster, welche Probleme traten auf, für welchen Stoff hat man sich entschieden. Alles in allem, eine wirklich interessante Sache, bei der sich auch mein heutiges Thema ergab: Wie nähe ich einen Blusenärmel richtig ins Armloch?

Welches Modell?

Die Wahl (frei wählbar) fiel auf das  Schnittmuster „Helmi“ der  finnischen Modellschmiede   n a m e d.  Uuuund spannend für mich, endlich mal wieder ein ganz anderes Schnittmuster als die eigenen nähen und so einfach (Alle die schon mal ein Schnittmuster entwickelt haben, wissen jetzt, was ich meine 🙂 ): kaufen (€ 13,– für ein Downloadschnittmuster mein lieber Himmel die Finnen haben eine selbstbewußte Preisgestaltung – ok -es bietet 2 Versionen), ausdrucken, kleben und loslegen.

Nähbeispiel von Tweed & Greet von der Helmi-Tunic-Blouse. Sehr schön umgesetzt – da muss ich mich anstrengen.

Das Material:

Diese beiden Stoffe hatte ich ins Auge gefasst. Entschieden habe ich mich nach einigem Ringen, welche Farbe mich weniger blass macht (sollte jemand gerade Sommer haben, bei uns ist Winter – das bedeutet wenig Sonne, ach was, so gut wie gar keine Sonne) für

den dunkelblau-grünlich schimmernden (sieht man hier leider nicht aber gleich) Fischgrat. 100 % mercerisierte italienische Baumwolle aus meiner Vergangenheit – als B l u s e n d e s i g n e r i n. Jaaaa, jetzt ist es raus. Ich habe lange Jahre in Hamburg und danach in München als Blusendesignerin gearbeitet.  Als es noch  deutsche Firmen gab, die nur Blusen verkauften und viele Frauen, die sie auch trugen. Aber das ist eine andere (spannende) Geschichte. Der Stoff ist eigentlich ein klassischer Herrenhemdenstoff und in seiner Strenge passend zu dem reduzierten Schnittmuster, wie ich finde. Na, wir werden ja sehen. (Jetzt hängt die Latte automatisch höher, ohje —haha).

Nähen

Beim 1. Termin hatte ich den Grundbody am Abend vorher genäht (auf den letzten Drücker 😎 ). Die Nähanleitung – übrigens in Englisch – ist sehr übersichtlich aufgebaut. Trotzdem hat mir so das eine oder andere Detail kopfzerbrechen bereitet. Z. B. habe ich schlichtweg nicht verstanden, wie ich die verdecke Leiste nach Anleitung falten soll. Ich habe es dann so gemacht, wie ich es kenne und basta. Mit dem Rest kam ich bis jetzt ohne Anleitung klar.

Blusenärmel richtig einsetzen

Nun komme ich zum eigentlichen Hauptthema meines Beitrages, der sich sozusagen „nebenbei“ ergab. Wenn man eine Bluse näht,  wird man bei den meisten Modellen verwundert  (zumindest der Nähanfänger) feststellen, dass der Ärmelumfang der Armkugel ja viel weiter ist, als das Armloch selbst. Beim Einnähen des Ärmel weiß man nicht wohin mit dieser sogenannten Mehrweite. Man dehnt und zerrt oder näht gar den Ärmel enger – aber ganz entspannt. Es ist richtig so, es muss so sein, weil das zusammen mit dem richtigen Bügeln ein sehr schön eingesetzten Ärmel ergibt. Bei Blazern ist das übrigens noch ausgeprägter. Kann man mal drauf achten.

Doch wie setzt man den Ärmel mit mehreren Zentimetern Mehrweite jetzt ohne Fältchen in ein kleineres Armloch? Ich möchte hier zeigen, wie ich es mache und wie es auch im Originalebook von  n a m e d (allerdings deutlich verkürzt) vorgeschlagen wurde.

  1. Steppstichlänge auf 4-5 einstellen. Eine Hilfsnaht von Querzeichen zu Querzeichen an der Armkugel steppen und zwar in der Nahtzugabe knapp neben der zukünftigen Schließnaht.
  2. Die Armkugel leicht einkräuseln (ein Fadenende wird festgehalten, am anderen wird vorsichtig gezogen. Die entstehenden Fälten gleichmässig mit den Fingern verteilen)
    Aermel richtig einsetzen - Mehrweite einkraeuseln
    Aermel richtig einsetzen – Mehrweite einkraeuseln


  3. Seitennaht schließen und Nahtzugabe flach auseinanderbügeln (bei Blusen aus feinen Baumwollstoffen werden die Nahtzugaben einzeln versäubert und auseinandergebügelt um sich beim Bügeln sowenig wie möglich durchzudrücken.)
  4. Bluse linke Seite nach außen wenden, beim Ärmel ebenfalls und den Ärmel in das Armloch stecken. Wichtig: der Bereich außerhalb der Hilfsnaht – also bis zu den Quermarkierungen – enthält nie Mehrweite und muss ganz flach im Armloch liegen. Die Mehrweite verteilt sich im oberen Bereich der Armkugel und kann jetzt genau ans Armloch angepasst werden. Der Ärmel ist noch zu weit: Hilfsfaden enger ziehen und Fältchen verteilen oder bedarfsweise umgekehrt.
  5. Genäht wird nun von der Ärmelseite. Stichlänge ca. 3 oder kleiner beim Kreuzungspunkt der Ärmelseitennaht beginnend steppen. Der Stepp (rot) verläuft ca. 2 mm neben der Hilfsnaht im Teil (nicht in der Nahtzugabe!) Ich arbeite mich langsam Stich für Stich vor und richte dabei immer mit dem Fingern die obere und die untere Stofflage, damit keine Fälten genäht werden. Die Stecknadel ziehe ich jeweils kurz vor dem Drübernähen aus dem Stoff.
  6. Bluse nach rechts wenden und die Naht von außen kontrollieren (Besonders gut geht es auf der Schneiderpuppe). Meistens hat man doch das eine oder andere Fältchen oder auch einen Bogen genäht. Kein Problem! Einfach an den jeweiligen Stellen ein paar Stiche öffnen und nochmal – und diesmal von der Blusenseite (vorher war es die Ärmelseite, weißt Du noch?) –  nachsteppen.
  7. Nun folgt das sogenannte Einbügeln der Fältchen mit Dampf. Lege den Ärmel so aufs Bügelbrett, dass du die Fältchen siehst und bügle nur mit der Bügeleisenspitze Stück für Stück (wichtig: mässig Dampf!) die Fältchen in der Nahtzugabe flach.
  8. Schneide die Nahtzugabe auf 0,8 mm zurück und versäubere (Ausnahme! 🙂 ) die Nahtzugaben zusammen.
  9. Ein letztes Mal von rechts bügeln, die Nahtzugabe weist in den Ärmel. Und jetzt darfst du dich über einen schön eingesetzten Ärmel freuen  😀

Ganz schön viele Details für eine einzige Naht – aber die Ärmelnaht ist eben auch eine besondere Naht.

Alles klar? Wenn nicht, schreib mir gerne – auch wenn Du noch andere Tipps und Tricks zum Thema kennst. Wie immer ist das nur eine Möglichkeit beim Nähen zu einem guten Ergebnis zu kommen. Und nächste Woche gibts dann die Auflösung (hoffentlich)  – die fertige Bluse und nicht nur die, sondern ganz viele andere schöne und individuelle Modelle gesammelt zu sehen bei Elle Puls.

Nähen verbindet, stimmt´s?

Herzliche Grüße

 

 

 

 

 

 

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Wie verarbeitet man Wollfilz und Walkstoffe?

Liebe Leser,

der Herbst ist da und der Winter naht – hast Du Lust auf Filz? Wenn ja, in diesem Artikel geht es genau darum, um gefilzte bzw. gewalkte Stoffe. Zuerst beschreibe ich in einer allgemeinen Übersicht, woraus bzw. wie Filz/Walk hergestellt wird und welche besonderen Eigenschaften diese Qualitäten für sich beanspruchen, die sie für alle Selbermacher so interessant machen. Im zweiten Teil des Artikels findest Du dann Nähtipps speziell zum Thema.

Da ich sehr gerne Filz wie auch Walk verarbeite und auch mehrere Schnittmuster für Taschen und ein besticktes Brillenetui aus Filz sowie eine Kindertunika aus Walk entwickelt habe, hat mich Makerist, mein Kooperationspartner im Schnittmusterverkauf, dazu angeregt, über dieses Thema zu schreiben.

Gezeigte Modelle: siehe unter Schnittmuster

Woraus besteht Filz bzw. Walk:

Ursprünglich 100 % Tierhaare wobei heute Schafwolle am gebräuchlichsten ist. Mittlerweile werden auch viele Mischungen unterschiedlichster Zusammenstellung angeboten. 

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Filz und Walk und wie werden diese hergestellt? 

Filz: Fasern werden durch mechanischen Prozess – das Walken (Drücken, Rubbeln, Kneten) unter Einwirkung von Wasser und Seife miteinander verbunden. 

doubelfacefilz
Doublefacefilz von Patch_and_Work/DaWanda

 

Walk: Der mechanische Prozess ist ähnlich oder gleich, wie beim Filzen, allerdings werden gewobene bzw. verstrickte Gewebe gewalkt.

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100 % Wollwalk

 

Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften werden Filze wie auch Walkstoffe nachweislich seit Jahrtausenden von den unterschiedlichsten Kulturen hergestellt. Jeder kennt den Walkjanker, der längst seine „Trachtenecke“ verlassen hat und auch in konventionellen Kollektionen immer wieder neu und vor allem nicht trachtig interpretiert wird. Filze haben soviele Anwendungsgebiete, das übersteigt bei weitem diesen Beitrag. Aber uns interessiert vor allem was wir daraus Schönes Nähen können, z.B für Taschen, Kissen, Schuhe und sonstige Accessoires.

Die Eigenschaften von Filz und Walk:

Gefilzte Stoffe sind meist (allzu feine Qualitäten ausgenommen) winddicht, wasserabweisend, sehr strapazierfähig, knitterarm und sehr gut wärmerückhaltend. Ausserdem sind sie langlebig, pflegeleicht und einfach zu verarbeiten.

Grundsätzliche Verarbeitungstipps für gefilzte Stoffe

Besonders Stoffe erfordern auch eine besondere Verarbeitung. Durch die Art und Weise der Herstellung werden die Fasern so verbunden, dass Filz bzw. Walk nicht ausfranst. WOW! Das ist eine weitere wunderbare Eigenschaft, die man sich bei der Verarbeitung zu nutze macht. Die Kanten müssen also nicht zwingend versäubert werden. Man kann sie sogar als Gestaltungselement offen zeigen.

Vor der Verarbeitung werden gewalkte Stoffe entweder mit einem sehr feuchten Tuch abgebügelt oder im Wollwaschgang gewaschen. Abgebügelt werden alle Wollstoffe die später nur gereinigt werden sollen. Abbügeln heißt: Ein Küchenhandtuch nass machen auf den einfachen Stoff legen und das Tuch trocken bügeln, den Stoff gut ausdampfen lassen.

Schnittmuster bezeichnen 

Das ist zugegeben nicht ganz einfach und  auch farbabhängig. Sollte es mit der frisch geschärften (TIPP: einfach mit der Messerklinge beidseitig schräg abkratzen) Schneiderkreide nicht funktionieren, kann man auf Bleistift oder auch Filzstift ausweichen. Die Linie aber bitte beim Zuschneiden, wegschneiden.                

Zuschneiden:

mit der (scharfen 😉 ) Schneiderschere

walkschneiden

Für gerade Strecken eignet sich der Rollcutter bestens (aber bitte mit Unterlage), weil es dann keine Ansätze gibt. Filze die dicker sind als 2 mm (Filzplatten für Taschen etc.) schneidet man mit dem Cutter.
filzschneiden

Soweit Rundungen vorhanden sind, schneide ich diese nach dem Grobzuschnitt  mit einer kleinen Schere nach, da man Rundungen mit dem Cutter nicht so präzise schneiden kann.  Auch eine Möglichkeit die Kante zu gestalten: Mit der Zick-Zack-Schere:filzzick-zack-kante

Nähen:

Möglichkeit No. 1: Wenn man eine flach liegende Nahtstelle erreichen möchte, schiebt man die Kanten ca. 1 cm übereinander und steppt dann. (Für Filz und Walk geeignet.)

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Wichtig! Am Nähbeginn muss der Nähfuss ausgeglichen werden, da er durch die hohen Stofflagen nach hinten kippt. Lösung: Filzstück von hinten unter den Nähfuss legen (wird nicht mitgenäht). Je dicker das Material, umso schwerer wird es Stecknadeln zu stecken. Man kann sich mit Klammern behelfen oder mit doppelseitigem Klebeband (Stylefix). Bei Filzplatten ab 3 mm ist diese Art der Verbindung nicht einfach zu arbeiten. 

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Kantenbearbeitung mit Zick-Zack-Schere als schmückendes Element

Möglichkeit No. 2: Man legt Kante auf Kante genau übereinander und steppt im gewünschten Abstand gleichmässig die Kante entlang. (Für Filz und Walk geeignet.)

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Ergibt je nach Materialstärke eine eher wulstige Naht die innen oder außen sein kann. Anmerkung: Falls die Naht außen liegt, bitte darauf achten, dass die Kanten der Nahtzugabe präzise geschnitten sind.
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Nahtzugabe ist links.

Möglichkeit No. 3: Kante genau an Kante legen und z.B. mit Zick-Zack-Stich verbinden. Das ergibt eine schöne flache Naht. (Eher für Filz empfohlen.)

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Kantenverarbeitung:

Kanten können grundsätzlich offen gelassen werden,  da sie ja wie gesagt nicht ausfransen. Abhängig vom jeweiligen Stück und dessen Verwendung möchte man aber vielleicht doch die Kante versäubern. Auch hier bieten sich mehrere Möglichkeiten an:

Möglichkeit No. 1: Mit einem Overlockstich oder passendem Zierstich einfassen.

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Möglichkeit No. 2: Kantenverstärkung mit Streifen aus derselben Qualität

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Am Beispiel einer Arm- bzw. Halslochverarbeitung. Die Kanten sind nur geschnitten. Der gleichmässig zugeschnittene Streifen wird links auf links doppelt an die Kante gesteppt. Durch das Tragen verfilzt die Kante mit der Zeit und bleibt stabil.

 

Möglichkeit No. 3: Einfassen mit einer Wolltresse. Eine traditionelle und hochwertige Art der Kantenverarbeitung.walk_mit_wolleinfass

Soweit zum Thema. Ich möchte anmerken, dass diese Beispiele sicher um weitere Arbeitstechniken ergänzt werden können. Die Aufzählung pocht nicht auf Vollständigkeit, sondern ist mein ganz persönlich Wissen, das ich im Umgang mit gefilzten Stoffen im Laufe der letzten Jahre erworben habe. Kennst Du noch andere Verarbeitungen oder hast Tipps im Umgang mit den besprochenen Materialien? Schreibe mir gerne Deine Erfahrungen und teile sie mit allen interessierten Lesern.

Herzlichst UnterschriftIngrid

 

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Den richtigen Stoff zum Schnittmuster auswählen


IMG_1952aKleidung selbernähen hat in Zeiten von Billigkleidung einen völlig neuen Stellenwert bekommen. Es erfordert neben dem Können – je nach Projekt – einen entsprechenden Zeiteinsatz und es muss das passende Material und nicht zu vergessen das Schnittmuster gekauft werden. Bei soviel Invest wünschen wir uns natürlich, dass es gelingt und unsere Vorstellung, von einem gut sitzenden und zu uns passenden Kleidungsstück wahr wird. Einen sicherlich wesentlichen Beitrag zum Gelingen, leistet die Auswahl des richtigen Stoffes.

Es gibt zwei gängige Wege zu einem selbstgenähten Kleidungsstück zu kommen: entweder ist der Schnitt bereits vorhanden und man sucht das passende Material dazu oder der Stoff wurde irgendwann früher gekauft, man hat auch schon eine Idee und sucht jetzt nur noch ein Schnittmuster.  Wie auch immer die Ausgangssituation ist, bevor wir uns entscheiden, müssen unbedingt einige Fragen geklärt werden.

Mit meinen Überlegungen möchte ich im Besonderen auf die erste Situation eingehen, da hier meiner Meinung nach die Entscheidung schwieriger ist, denn aus Erfahrung weiss ich, wer aufs gerate wohl (von wegen, der Stoff ist ja so schöööön, den muss ich haben, ausserdem daraus nähe ich mir…) Stoff kauft, hat in der Regel zumindest eine vage Vorstellung, was er daraus nähen will (da können dann mitunter mehrere Jahre vergehen – bei mir zumindest – bis der ehemals gekaufte endlich verarbeitet wird).

Also gut –  soweit die Einleitung, kommen wir zum Thema: Am Beispiel eines Kleides möchte  ich veranschaulichen, was vor dem Stoffkauf bedacht werden will (wahlweise auch könnte…).

Ich habe also den meiner Meinung nach idealen Kleiderschnitt gefunden. Es ist ein figurnahes ärmelloses Etuikleid. Die Materialempfehlung für das Kleid lautet: leichter Wollstoff + Futter. Das ist aber nur eine Empfehlung und der möchte ich in diesem Fall nicht folgen, da ich weder Wolle noch Futter verarbeiten möchte. Aber welches Material dann? Und hier komme ich endlich zur ersten Frage:

Frage 1: Wo und wann möchte ich das Kleidungsstück tragen? Diese Frage ist wesentlich ( ausser man verfügt über einen riesigen Kleiderschrank, wo sämtliche Sachen für die man doch nicht soviele Tragegelegenheiten hatte, wie ursprünglich angenommen, auf ihren nächsten Einsatz warten, der vielleicht nie mehr kommt). Ich in meinem Fall also beantworte die Frage nun so: Das Kleid soll nicht für einen speziellen Anlass sein, ich möchte es in meinem normalen Alltag mit Selbständigkeit im homeoffice und 2 Kindern tragen.

Frage 2: Welche Eigenschaften sind mir besonders wichtig?
Es muss einkaufstauglich (ich möchte also auch in der Öffentlichkeit damit gut angezogen sein) sein und es soll mich an einem normalen  Nachmittag mit zwei Kindern weder einengen noch behindern und nicht jeder Fleck, soll gleich zu sehen  bzw. nur durch vollständiges Waschen oder Reinigung zu entfernen sein. Auch zum Kochen und Blumengiessen möchte ich mich nicht umziehen (Anmerkung für meine Schwester: weisst du noch wie ich im bodenlangen lila Schimmerjaquardrock Unkraut gejätet habe…). Überhaupt ist Bequemlichkeit bei mir meist ein Thema, ein Etuikleid ist zwar körpernah – aber durch die entsprechende Stoffauswahl (mit Stretch) und einen relaxten Schnitt wird es für mich täglich tragbar.

Frage 3: Ist die Jahreszeit ein Thema oder soll es jahreszeitenunabhängig sein? Also ich möchte  mein Kleid in der warmen Jahreszeit tragen. Im Frühling vielleicht mit Strickcardigan und im Sommer an heissen Tagen einfach so.

Frage 4: Wieviel Meter brauche ich und was will ich ausgeben? 

Frage 5: Welche Stoffe gefallen mir persönlich, was passt zu mir?

Puhh, ganz schön viele Anforderungen: daraus lässt sich meiner Meinung nach folgendes ableiten: das Material soll strapazierfähig sein, idealerweise einen leichten Stretchanteil  haben, eher dunkel oder mehrfarbig als zu hell und uni. Ausserdem keine zu kompakte Qualität und ich möchte es nicht füttern, da ich persönlich gefütterte Kleider nicht mag ( persönliche Vorlieben spielen natürlich eine grosse Rolle). Hierzu würden von den gängigen Materialien am ehesten eine leichte Jeansqualität  oder ein bedruckter Baumwollstoff (Leinwandbindung) alles mit einem kleinen Stretchanteil passen. Auch Jersey könnte ich mir noch vorstellen, aber in Kleiderqualität und ebenfalls bedruckt. Keinesfalls in die engere Wahl käme Leinen ( egal wie edel das angeblich knittert) oder  Viskose und sämtliche Gewebe die keinen Stretchanteil haben.
Aus Jeans würde das Etuikleid, wenn man z.B. mit Kontrastabsteppungen arbeitet, schön sportlich wirken, das würde mir schon mal sehr gut gefallen.
Als bedruckten Baumwollstoff kann ich mir die aktuellen Photoprints sehr gut vorstellen, da treten Schnittdetails in den Hintergrund und man lässt die Farben und Muster wirken ( Aber Achtung: je auffälliger das Muster und die Farbigkeit, desto schneller sieht man sich erfahrungsgemäss satt).
Immer wieder reizvoll finde ich auch klassische zweifarbige Muster z. B. Pepita oder andere einfache Karos oder auch feine Streifen oder Punkte.

Diese Ausführung pocht weder auf Vollständigkeit noch darauf, dass man es genauso sehen muss. Sie soll einfach nur einen Anreiz bieten, welche Überlegungen der endgültigen Materialauswahl vorangehen könnten. Bekanntermassen ist gerade die Mode vielfältig und facettenreich und persönliche Vorlieben spielen eine riesige Rolle. Was dem einem wichtig ist, kann für den anderen keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen und genau deshalb sollte man sich vor der Auswahl des Stoffes vor allen Dingen fragen, was ist mir ganz persönlich wichtig und wie möchte ich mich in dem Kleidungsstück fühlen. 
Gelingt es diese Fragen zu beantworten und das gewünschte Material zu finden, kann es uns (und hier ist der Schnitt entscheidend) tatsächlich gelingen, ein richtiges persönliches Lieblingsstück zu nähen. Ein Kleidungsstück, das zu uns passt in  dem wir uns wohlfühlen und für das wir vielleicht sogar Komplimente bekommen – genau das ist es doch, was wir wollen.

Wer´s bis zum Ende geschafft hat – vielen Dank für deine Aufmerksamkeit. Hast du noch mehr Anregungen oder wie wählst du das Material aus? Mich würde sehr interessieren, was dir bei der Stoffauswahl wichtig ist!

Es grüßt herzlichst

Ingrid

PS:Im nächsten Beitrag möchte ich übers Zuschneiden, und was dabei beachtet werden    sollte, schreiben.

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Anleitung: Schräge Ecke (Tischtuchecke) nähen – Tutorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

hochwertige Leinen- bzw. Stoffservietten und Tischtücher mit breiten Säumen sind üblicherweise mit sogenannten schrägen Ecken verarbeitet. Das sieht sehr schön und ordentlich aus. Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten, diese Verarbeitungstechnik einzusetzen, z.B. die  Ecken von Seitenschlitzen bei breiten Säumen (Blusen, Kleider, Tuniken,…).

Heute möchte ich im Detail erklären, wie die „Schräge Ecke“ verarbeitet wird, sodaß auch du sie nacharbeiten kannst und deine Freude daran hast. IMG_1919Für das Tischtuch habe ich ein klassisches Baumwollkaro gewählt und den Saum zusätzlich mit einer Ziernaht betont ( Zick-Zack-Stich ganz eng gestellt, wie für ein Knopfloch). Das erfordert je nach Größe des Tischtuches ganz schön viel Geduld, bis man da einmal rundum ist. Bei Servietten geht’s natürlich schneller.

Die Servietten sind aus reinem Leinen, die ich irgendwann mal probehalber mit Pflanzenfarbe gefärbt hatte. Dabei wurde das Nähgarn absolut passend mitgefärbt, sodaß   man ziemlich genau schauen muß, um die Verarbeitung zu sehen. Auch sie haben breite Säume mit schrägen Ecken. IMG_1922 Kopie IMG_1921 KopieIMG_1919

 

Hier geht’s zur detaillierten pdf-Anleitung  –  Schräge Ecke.bpatterns. Viel Freude damit, wenn du Zeit und Lust hast, würde ich mich über deinen Kommentar sehr freuen, ansonsten bis demnächst

Herzlichst Ingrid

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Geschirr: alles vom Töpfer bzw. selbstgetöpfert

Das Tischtuch hatte ich schon vor einiger Zeit für mich privat genäht, deswegen darf es auch zu rums  😀

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Löcher stopfen

Liebe Leser,

vorab nochmal zum letzten Post, der Suche nach Probenähern: die Probenäher sind gefunden und informiert. Es waren so viele freundliche und kompetente Näherinnen dabei, das machte die Wahl nicht einfach. Am liebsten hätte ich ja alle genommen, aber das kann ich allein schon aus organisatorischen Gründen nicht und so ist es, wie es immer bei solchen Sachen ist, man hat sich Mühe gegeben und wurde nicht ausgewählt und jetzt ist man enttäuscht – zumindest ein klein bißchen. Oh, menno… Ich kann Euch folgendes sagen, ich schätze jede einzelne Bewerbung sehr und bedanke mich nochmal besonders für Eure Mühe und Euer Vertrauen ♥

Jetzt zum eigentlichen Thema dieses Posts

Löcher stopfen

Ein leidiges Thema, dazu hat man eigentlich keine Lust – aber wenn die Hose gerade erst ein paar Wochen alt ist, oder die Lieblingshose oder eben super paßt – dann werden bei mir löchrige Hosenbeine wieder heil gemacht. Fast so wie früher, aber ein bißchen bunter und lustiger. Und das Beste – man braucht dazu fast nur Reste.

Von der Tasche ROSA hatte ich noch viele bunt bedruckte BW-Kreise übrig. Die kommen hier zum Einsatz. Zusammen mit Jeans appliziere ich sie und die Löcher sind erst mal weg ( es hält nicht ewig, aber verlängert auf jeden Fall das Leben der Kinderhosen um mindestens die Hälfte).

so wird die Allerweltshose wenigstens individualisiert
so wird die Allerweltshose wenigstens individualisiert

Was brauchst du?

  • Jeansreste (von einer alten Jeans?)
  • bunte Stoffreste
  • Vliesofix Doppelklebevlies zum Applizieren
  • Nähgarn
  • Schere, Bleistift, Wassergläser, Fadentrenner
  • Nähmaschine, Bügeleisen

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Schritt 1: Vliesofix auf die Stoffreste bügelnIMG_8199a

Schritt 2: Passende Gläser oder Tassen suchen und Kreise auf die Stoffreste zeichnen – ausschneiden – Papier abziehen IMG_8202a

Schritt 3: mehrere Kreise zusammenbügeln. Jeans ist die Basis, Druckstoffe obendrauf. Den kleinen Kreis mit engem Zick-Zack (meine Empfehlung jetzt nach mehreren Wochen Gebrauch) auf die Jeanskreise steppen – enger Zick-Zack hält besser als Geradstich.

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Schritt 4: auf die löchrigen Hosen bügeln – sollte das Loch sehr groß sein, eventuell vorher etwas zusammennähen

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Zick-Zack-Naht hier mit Weiss sichtbar gemacht. Farbe nach Wahl.

Schritt 5: bei sehr engen Hosen muß die Seitennaht teilweise geöffnet werden, um den Kreis zu applizierenIMG_8206 Kopie

Schritt 6: mit engem Zick-Zack applizieren. Ich habe das, wie am Foto ganz oben zu sehen mit Geradstich gemacht. Das hält auch aber definitiv nicht so lange, wie Zick-Zack – das hat die Zeit gezeigt. IMG_8207 Kopie

Schritt 7: Seitennaht wieder schließen und ANZIEHEN!IMG_8209

Vielleicht kann ich euch ja animieren, etwas Zeit und Kreativität in kaputte Hosen zu investieren – die Geldbörse und die Umwelt dankt es uns.  Und das ist doch was.

Herzlichst, Ingrid

 

LikestempelÜber euer LIKE oder einen Kommentar als kleine Anerkennung für meine Arbeit an diesem und weiteren  Gratistutorials freue ich mich sehr!

 

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Edle Taschengriffe selbermachen

Edle und sehr robuste Taschengriffe kannst du ganz leicht selber nähen. Ich zeige es dir ganz genau in dieser Anleitung. Außerdem habe ich 2 Schablonen vorbereitet, eine zum Zeichnen der Rundung und eine Nähschablone, die du dir kostenlos runterladen kannst.

Also, fangen wir an:

MATERIALGurtbandmitLeder_0001 Kopie

  • Gurtband
  • Lederstück (auch Kunstleder)
  • Rollcutter oder Cutter, Schere
  • Metalllineal
  • Nähgarn passend zum Gurt
  • dickeres Garn in Kontrastfarbe
  • Ledernähnadel
  • Klebestift, Nähmaschine, Kugelschreiber, Papier

1. Lederstreifenbreite festlegen: 4 mm schmäler als das Gurtband, Beispiel: Gurtband 3 cm breit, Lederstreifen 2,6 cm breit. Die Länge des Lederstreifens ist individuell festzulegen. Mit Kugelschreiber bezeichnen und mit Cutter und Lineal schneiden – 2 Stück.

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2. Rundungen nach Papierschablone bezeichnen und mit der Schere präzise nachschneiden (eventuell auch mit Nagelschere).

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3. Das Ergebnis! Sollte der Rand sehr fusselig sein (von der Rückseite), bitte die Fussel wegschneiden.

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4.

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5. Gesteppt wird mit der Nähschablone und Ledernähnadel – perfekt ist es, wenn du die Nähschablone aus Karton anfertigst. Diese erfüllt gleich 2. Funktionen: 1. das Füßchen gleitet besser, wenn es nicht direkt am Leder aufliegt 2. die Rundungen sind einfacher zu nähen.

TIPP zum NÄHEN: Stichlänge 3 – 3.5 einstellen, während des Steppens gleichmäßig hinten am Gurt ziehen – da das Leder stoppt. Am besten erstmal eine NÄHPROBE machen – ist immer gut.

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6.

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Anwendungsbeispiel

GurtbandmitLeder_0014 Kopie

 

Hier noch die Schablonen runterladen: Taschengriffeschablone.pdf

Ich wünsche dir viel Erfolg und Freude mit deinen veredelten Griffen. Wenn dir meine Anleitung gefällt, würde ich mich über dein Like auf Facebook oder einen Kommentar dazu sehr sehr freuen. Das spornt mich an, noch mehr freie Anleitungen für dich zu schreiben.

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Herzlichst

Ingrid

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Schrägbänder verarbeiten

Das gekonnte Verarbeiten von Schrägbändern erweitert die Möglichkeiten beim Nähen. Man kann damit gerundete Kanten einfassen (z.B. Halsausschnitt, Armloch,Wellensaum etc.). Nimmt man farblich kontrastierende bzw. gemusterte Bänder (siehe Schrägbänder selber herstellen) lassen sich sehr schöne Effekte erzielen.

Wie immer beim Nähen, gibt es verschiedene Verarbeitungsmöglichkeiten. Ich möchte hier  2  davon vorstellen. Die erste ist eine sehr schnelle und einfache Möglichkeit:

anhand einer gerundeten Kante, läßt sich sehr gut demonstrieren, wie man vorgehtIMG_7894

  1. IMG_7895 Kopiebeim Zusammenbügeln soll die untere Seite des Bandes 1 mm hervorschauen.
  2. IMG_7897 Kopiedas Band wird nach der ungefähren Form der zu besetzenden Kante vorgebügelt. Dabei dehnt bzw. bügelt man das Schrägband ein. Die Finger formen das Band vor, das Bügeleisen fixiert. Das ist wahrscheinlich am Anfang der schwierigste Teil. Ich würde empfehlen: erstmal Übungsband kaufen und damit experimentieren. Einbügeln und dehnen, Wellen bügeln.
  3. IMG_7901 Kopieungeübte Näher können das Band zusätzlich heften – Profis führen es frei durch die Nähmaschine.
  4. IMG_7904 Kopiedie rechte Stoffseite liegt oben
  5. IMG_7908 Kopie Kopiedadurch, daß die Unterseite des Bandes 1 mm breiter ist, wird das Band mit einem Stepp beidseitig fixiert. Auf der linken Seite ist der Stepp etwas weiter von der Kante entfernt. Am Schluß mit Dampf flachbügeln.

Die 2. Methode ist klassisch und etwas aufwändiger. Ziel ist es, das Schrägband so zu verarbeiten, daß kein Stepp sichtbar ist.

  1. IMG_7909 Kopieder Unterschied liegt im Detail: hier wird das Schrägband exakt mittig zusammengebügelt – Ober- und Unterseite sind gleich. Ansonsten wieder nach der Kantenform vorformen, wie oben unter Punkt 2 beschrieben.
  2. IMG_7911 Kopie Kopie
  3. IMG_7913 Kopie
  4. IMG_7918 Kopiedas  Werkstück wenden. Band über die Kante biegen. Die Rückseite wird händisch festgenäht – gesäumt. Flachbügeln.
  5. IMG_7914 Kopiedas Ergebnis ist eine besonders hochwertige verarbeitete Kante ohne sichtbaren Stepp.

Diverse weitere Möglichkeiten werde ich bei Gelegenheit erklären.

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Viele Aha`s beim Nachmachen wünscht

Ingrid

 

 

 

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Schrägbänder selbst herstellen

Schrägbänder kann man mit vertretbarem Aufwand auch selbst herstellen. Das ist wichtig, wenn man eine exakt passende Farbe benötigt oder gemusterte Bänder haben möchte. Sie können entweder,  ganz manuell durch schneiden und bügeln oder mit einem Schrägbandformer hergestellt werden. Diese Methode möchte ich hier beschreiben, weil sie erstaunlich einfach funktioniert.

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Das ist also ein Schrägbandformer, er ist in verschiedenen Größen (je nachdem, welche Breite man braucht)  im Nähbedarf erhältlich, kostet ca. 9 €.

Und das brauchen Sie:

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Anstatt einem Cutter, kann man auch eine Stoffschere nehmen.

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Schrägbänder sind, wie der Name schon verrät,  im schrägen Fadenlauf geschnitten. Dadurch werden sie gut formbar, was z.B. für Rundungen wichtig ist. Der Stoff kann einfach (bei 90 -110 cm Breite) oder doppelt liegen.  Zeichnen Sie den schrägen (d.h. 45 Grad) Fadenlauf, wie am Foto demonstriert,  ein – von der oberen linken Ecke nach unten bis zum Stoffrand.

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Überlegen Sie, wieviel Band Sie brauchen und zeichnen Sie weitere Bahnen parallel im benötigten Abstand. Bei einem fertigen Schrägband von 1.8 cm habe ich 3.6 cm breite Bahnen gezeichnet. Bei 2 cm müßte man 4 cm anzeichnen. Immer die fertige Breite x 2.

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Unterlage nicht vergessen – sonst ist der Tisch auf ewig gezeichnet….

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um ein fortlaufendes Band zu erhalten, müssen Sie die einzelnen Bänder, wie hier gezeigt zusammensteppen.

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Solange schieben, bis das Band vorne an der schmalen Seite hervorguckt, daran ziehen. Es kommt jetzt schon richtig gefaltet hervor. Spätestens jetzt das Bügeleisen (mit Dampf geht’s perfekt) anmachen.

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Mit der linken Hand ziehe ich langsam nach links und mit der rechten bügle ich das vorgefaltete Band.

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Fertig zum Einsatz.

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Tipps zur Verarbeitung von Leder

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Verarbeitungs- bzw. Nähtipps zu publizieren ist ja nun nicht gerade das Neueste. In jeder Nähzeitschrift gibts immer wieder Beschreibungen wie man z.B. Reißverschlüsse einnäht oder Pattentaschen korrekt arbeitet. Nach meiner Erfahrung findet man diese Tipps nur leider nicht, wenn man sie gerade schnell braucht, weil eben dieses Magazin dann nicht auffindbar ist. Außer….ja außer Sie haben alle diese Anleitungen über die Jahre gesammelt und mit Inhaltsverzeichnis in einem Ordner abgelegt oder sich ein Buch zum Thema geleistet.

Mein Gedanke also war jetzt, im Laufe dieses Bloggs nach und nach immer wieder Verarbeitungsanleitungen und Nähtipps  zum Thema zu machen, zum Sammeln und Nachschlagen (Nachscrollen?). Ich werde jeden Tipp in der Kategorie Verarbeitungstipps  nochmal extra – zum einfacheren Finden – sammeln. Die Verarbeitung von Leder liegt mir besonders am Herzen, weil viele meine Taschen aus Leder sind und ich zeigen möchte, daß mit ein paar einfachen Tricks, es für jeden möglich ist, Leder zu nähen.

WIE ICH ES MACHE:

  • LEDERNÄHNADEL    für die Nähmaschine
  • VORBEREITUNG ZUSCHNITT    anstatt von Stecknadeln, die Löcher hinterlassen würden, klebe ich den Schnitt mit Kreppband auf die Lederrückseite. Zum Anzeichnen nehme ich einen Kugelschreiber oder Filzer.

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  • ZUSCHNITT    mit dem Rollmesser oder Cutter auf einer entsprechenden Unterlage (Gummimatte). Rundungen schneide ich mit einer scharfen Schere

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  • OFFENE KANTEN vorbereiten: sollen Kanten offen bleiben (was aufgrund der Dicke des Materials oft nötig ist)  schneide ich alle eventuell abstehenden Lederfussel mit einer Nagelschere entlang der Kante ab – aber ohne die Kante anzuknabbern.
  • BÜROKLAMMERN oder WÄSCHEKLAMMERN     halten 2 Teile zusammen – wie gesagt: keine Stecknadeln!
  • GARNAUSWAHL    dickeres vielleicht sogar andersfarbiges Garn kann sehr gut aussehen, wenn die Stichlänge und die Fadenspannung richtig eingestellt sind. Probesteppen ist unumgänglich. Empfohlene Stichlänge mind. 3, besser 3.5.
  • STEPPEN    auf Glattleder (je nach Beschichtung) gleitet der Nähfuß schlecht und das Stichbild wird unregelmässig. Um das zu Vermeiden, ist es eine effektive und einfache Methode,  einseitig ein Handmaß unterzulegen. Wer im Besitz eines Rollfüßchens ist, setzt dieses ein. Auch ein teflonbeschichteter Nähfuß kann ausprobiert werden

Alternativ schneide ich ca. 3 cm dicke Seidenpapierstreifen und lege sie halbseitig unter den Nähfuß. Wenn klar ist, wo die Naht verläuft, kann man den Papierstreifen auch ganz darunterlegen und nach dem Nähen wegreissen.

  • BÜGELN    nur bei niedrigen Temperaturen, eventuell ein Bügeltuch unterlegen und auf jeden Fall nie die rechte (also Aussenseite) Seite bügeln – sonst ist die Prägung weg
  • SEITENNÄHTE     hier gibt es natürlich mehrere Möglichkeiten. Ich zeige 2 der gängigsten Methoden: Stichlänge 3 – 3,5 cm

IMG_6880.750px– bei dieser Methode überlappen sich die Schnittteile ca. 8 mm, der Stepp verläuft bei 2 mm ab Kante. Es erleichtert die Arbeit, wenn man die Teile mit einem Klebestift (einfacher Papierklebestift) leicht fixiert.Vorteil: die Naht liegt ganz glatt und flach, es ist keine weitere Bearbeitung nötig. IMG_6881.750px   bei der Verarbeitung als KAPPNAHT legt man die Teile rechts auf rechts, steppt auf der linken Seite bei 8 mm. Nahtzugaben mit dem Fingernagel auseinanderstreifen und dann auf eine Seite biegen. Wieder mit Klebestift fixieren und von rechts bei 5 mm feststeppen. Diese Naht ist etwas sperriger und nicht jede Nähmaschine schafft es, 3 Lagen Leder zu steppen. Likestempel